Field Notes #1

Regen, Regen und noch mehr Regen

  • Zwischen Zaltbommel und Hellevoetsluis, Niederlande
  • Beobachtung / Weiterdenken unterwegs
  • 10. Juni 2024, 100 km, 286 Höhenmeter

Heute hatte ich die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Pest bedeutete: früh losfahren und unterwegs komplett durchnässt werden.

Cholera bedeutete: auf besseres Wetter warten und später gegen Sturm und Orkanböen ankämpfen.

Ich entschied mich für Pest.

Bereits beim Packen begann es zu regnen. Wenig später regnete es Hunde und Katzen. Irgendwann lief das Wasser sogar von oben in meine eigentlich wasserdichten Schuhe. Die bewährten sich durchaus: Durch das Leder kam kein Tropfen hinein. Das Wasser, das von oben hineingelaufen war, wollte allerdings auch nicht mehr hinaus.

Das Ergebnis waren schmatzende Schuhe bei jedem Schritt.

Die rund 100 Kilometer lange Fahrt südlich an Rotterdam vorbei nach Hellevoetsluis hatte aber noch eine andere Überraschung parat.

Sie zeigte mir einmal mehr die bemerkenswerte Gelassenheit unserer niederländischen Nachbarn.

Während ich mich darauf konzentrierte, bei Regen, Wind und nasser Fahrbahn sicher voranzukommen, begegneten mir zahlreiche Radfahrer, die sich von all dem offensichtlich überhaupt nicht beeindrucken ließen.

Man telefonierte. Man schaute auf das Smartphone. Man lenkte mit den Unterarmen. Und das alles bei strömendem Regen.

Beeindruckend. Oder leicht verrückt. Vermutlich beides.

Beobachten
Manche Menschen verschwenden erstaunlich wenig Energie darauf, sich über Dinge aufzuregen, die sie ohnehin nicht ändern können.

Der Regen war da. Also wurde Rad gefahren.

Weiterdenken
Vielleicht gilt das nicht nur für Fahrradtouren. Auch bei Projekten, Lernprozessen oder kreativer Arbeit verbringen wir oft viel Zeit damit, auf perfekte Bedingungen zu warten.

Dabei entsteht Fortschritt häufig genau dann, wenn wir trotz Regen losfahren. Die Bedingungen werden unterwegs selten perfekt. Aber oft besser, als man vorher gedacht hat.